Fangmeldung Meerforelle

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Im Oktober konnte unser Vereinsmitglied Piotr diese schöne 70er Meerforelle mit Fliegenrute und Nymphe überlisten. Da es sich bei der Meerforelle um eine ganzjährig geschützte Art handelt, wurde der Fisch erst gar nicht aus dem Wasser genommen. Nach einem schnellen Foto durfte sie weiterschwimmen.

Ein durchaus seltener Fisch in der Sieg. Und das hat einen guten Grund! Da sich die Gelegenheit einer Fangmeldung über diese Fischart nur extrem selten bietet, nutzen wir an dieser Stelle die Chance für einen Abstecher in die Fischkunde. Gerade die Meerforelle ist ein äußerst interessanter Fisch!

In den Flüssen Europas geboren, verbringt die Meerforelle die ersten Jahre Ihres Lebens im Fluss. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass sich Meerforellen und Bachforellen denselben Artenstamm teilen. Entscheidet sich die Forelle zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr gegen die Wanderung ins Meer, so kennen wir diesen Fisch als Bachforelle. Erst nach der Wanderung ins Salzwasser spricht man von einer Meerforelle.

Auf der Wanderung ins Salzwasser färbt sich die Meerforelle silbrig, wohingegen die Bachforelle eine bräunliche Färbung annimmt. Diese Änderung der Farbe ist eine Anpassung an den Lebensraum und dient als Tarnung. In oft trüben Flüssen ist eine bräunliche Färbung die deutlich bessere Tarnung. Wohingegen Silber die bessere Tarnung im klaren Meerwasser bietet. Aber warum ist die Meerforelle auf dem Bild denn bräunlich gefärbt, wenn sie doch eigentlich Silber sein müsste? Das werden wir euch noch im weiteren Verlauf erklären.

Mit erreichen der Geschlechtsreife (zwischen 4 und 6 Jahren) beginnen die Meerforellen meist zwischen September und Dezember Ihre Wanderung zurück in die Flüsse um dort zu laichen. Es ist beeindruckend welche Strecke die Fische dabei oft zurücklegen und wie viele Hindernisse und Staustufen überwunden werden müssen. Nehmen wir den heutigen Fang als Beispiel:

Als Jungfisch ging es die Sieg abwärts bis zur Rheinmündung (ca. 60 Kilometer). Vom Rhein bis in die Nordsee bei Rotterdam sind es weitere 580 Kilometer. Flussabwärts mit der Strömung und die Staustufen hinab ist für den Fisch keine große Anstrengung. Aber diese 640 Kilometer musste die Meerforelle auch auf dem Rückweg gegen die Strömung auf sich nehmen, die Staustufen auch wieder hinauf. Diese kräftezehrende Wanderung sieht man ihr auch an. Ein wohlgenährter Fisch sieht anders aus.

Und auf dieser langen Reise ändert die Meerforelle die Farbe Ihres Schuppenkleides wieder von Silber zu Braun. Dies geschieht, wie zuvor erwähnt, aus Gründen der Tarnung. Im Gegensatz zu den meisten Lachsarten sterben Meerforellen nach dem Laichen nicht, sondern beginnen Ihre Wanderung zurück ins Meer von neuem.

Tobias Täuber

Geschäftsführer